Autor: Tobias

Postulat will öV-Tarifsystem vereinfachen und Angebot sichern

Nationalrat Pius Kaufmann (Die Mitte) hat am 2. Oktober 2026 das Postulat 26.4619 «Tarif- und Verbundstrukturen im öffentlichen Verkehr vereinfachen und das Angebot sichern» eingereicht. Zwölf Ratsmitglieder haben es mitunterzeichnet. Der Bundesrat soll in einem Bericht aufzeigen, wie sich die Strukturen des Tarif-, Vertriebs- und Abrechnungswesens vereinfachen und die Systemkosten senken lassen. Im Fokus stehen die parallel geführten, sich überlagernden Strukturen des nationalen Direkten Verkehrs und der regionalen Tarifverbünde. Das einheitliche, durchgängige System mit grosser Einfachheit und hohem Komfort für die Kundschaft soll erhalten bleiben.

Der Bericht soll zudem darlegen, welche Effizienzgewinne erzielbar sind und wie frei werdende Mittel das bestehende Angebot sichern können, einschliesslich der Grunderschliessung im ländlichen Raum. Rollen und Interessen der Transportunternehmen, der Verbünde sowie der Besteller von Bund, Kantonen und Gemeinden sind zu berücksichtigen.

Der Vorstoss verweist auf den Bundesratsbericht zum Postulat Reynard (19.4199). Demnach bestehen zwei Tarifwelten mit doppelt geführten Gremien, Geschäftsstellen, Kommissionen und Abrechnungssystemen. Das BAV bezeichnet die Erlöszuscheidung als «kompliziert, fehleranfällig und kostenintensiv». Die Kosten der parallelen Verbundstrukturen sind bis heute nicht beziffert. Erste Schritte seien mit den Projekten GITA und myRIDE sowie den angekündigten Gesetzesarbeiten eingeleitet.

Interpellation: Alkoholverbot an Schweizer Bahnhöfen nach deutschem Vorbild?

Nationalrat Stefan Müller-Altermatt (Die Mitte) hat am 2. Oktober 2026 die Interpellation 26.4683 zum Alkoholkonsum an Bahnhöfen eingereicht.

Ausgangspunkt ist das schrittweise eingeführte Alkoholkonsumverbot der Deutschen Bahn an ihren rund 5’400 Bahnhöfen. Es gilt in Bahnhofshallen und auf Perrons. Gastronomiebetriebe sind ausgenommen, verschlossene alkoholische Getränke dürfen weiterhin mitgeführt werden. Die Deutsche Bahn stützt sich auf ihr Hausrecht und nennt weniger Konflikte unter Alkoholeinfluss sowie geringeren Reinigungsaufwand. In der Schweiz untersagt die Bahnhofordnung der SBB bereits den übermässigen Alkoholkonsum und den Aufenthalt in offensichtlich betrunkenem Zustand.

Der Bundesrat soll unter anderem darlegen, wie er das deutsche Verbot und die bisherigen Erfahrungen beurteilt. Gefragt wird nach Erkenntnissen zum Zusammenhang zwischen Alkoholkonsum und Gewalt, Belästigungen oder Sachbeschädigungen an Schweizer Bahnhöfen sowie nach der Zahl der damit verbundenen sicherheitsrelevanten Ereignisse. Weiter soll der Bundesrat klären, ob die gesetzlichen Grundlagen ausreichen, damit Transportunternehmen den Konsum auf ihren Arealen grundsätzlich untersagen können, und ob Transportunternehmen, Kantone und Gemeinden an stark belasteten Bahnhöfen zusammenhängende alkoholfreie Bereiche schaffen könnten. Zudem wird gefragt, ob er die Erfahrungen aus Deutschland gemeinsam mit Transportunternehmen, Kantonen und Städten auswerten will.

ioki expandiert in die USA und gewinnt Georgetown University als Kunden

ioki, Anbieter von Software zur Digitalisierung des ÖPNV mit Sitz in Frankfurt, expandiert in die USA. Mit der Georgetown University in Washington D.C. hat das Unternehmen seinen ersten Kunden in den Vereinigten Staaten gewonnen. Die Universität setzt ab Oktober für ihren On-Demand-Shuttle-Service auf die Plattform von ioki.

Für den US-Markt gründet ioki eine eigene Gesellschaft und baut ein lokales Team auf. Wie in Europa richtet sich das Unternehmen vor allem an Aufgabenträger im öffentlichen Nahverkehr, die ihre Angebote automatisieren sowie finanzierbar auf- und ausbauen wollen. Dafür verbindet ioki Mobilitätssimulationen mit digitalen ÖPNV-Lösungen.

Laut ioki stehen Verkehrsbetriebe in den USA vor denselben Fragen wie in Europa, etwa wie sich ein Angebot wirtschaftlich tragfähig halten lässt, wenn Förderprogramme auslaufen und der Kostendruck steigt. Neben der Softwareplattform setzt hier die Expertise in der datenbasierten Verkehrsplanung an: In mehr als 230 Planungsprojekten hat ioki nach eigenen Angaben Milliarden von Mobilitätsmustern und Wegstrecken analysiert und simuliert.

Auf das Projekt für die Georgetown University sollen in Kürze weitere Verkehre mit der ioki Platform und Mobilitätskonzepte auf Basis von ioki Analytics folgen. Erstmals stellt sich ioki der US-Branche an der APTA 2026 TRANSform & EXPO vor, die vom 4. bis 7. Oktober in Chicago stattfindet. Das Unternehmen stellt dort gemeinsam mit HOLON und BENTELER Mobility aus.

Volksinitiative fordert unentgeltlichen öffentlichen Verkehr in der Schweiz

Die eidgenössische Volksinitiative «Für eine gerechte und nachhaltige Politik für den öffentlichen Verkehr (für einen unentgeltlichen öffentlichen Verkehr)» will Bund und Kantone verpflichten, einen hochwertigen und gerechten öffentlichen Verkehr auf Schiene, Tram, Bus, Schiff und Seilbahn sicherzustellen. Der Zugang soll namentlich durch die Einführung der Unentgeltlichkeit gewährleistet werden. Die Sammelfrist läuft bis zum 23. Dezember 2027.

Vorgesehen ist ein neuer Verfassungsartikel 81a. Für Personen unter 26 Jahren, Studierende, Lernende und Bezüger:innen von Sozialleistungen soll der gesamte öffentliche Verkehr kostenlos sein. Im Fernverkehr ist ein optionales Jahresticket zu maximal 1’095 Franken vorgesehen, was höchstens 3 Franken pro Tag entspricht. Klassische Streckenbillette bleiben daneben bestehen. Das Komitee strebt zudem dichtere Takte, attraktive Umsteigemöglichkeiten und eine flächendeckende Alternative zum Auto an, auch in ländlichen Regionen und Agglomerationen.

Die Finanzierung soll über einen Fonds erfolgen. Dieser speist sich aus Erträgen des Fernverkehrs, einer Lohnsummenabgabe für Unternehmen ab 11 Mitarbeitenden, Zusatzbeiträgen beim Kauf grossvolumiger und luxuriöser Fahrzeuge sowie Mitteln, die aus dem Nationalstrassenfonds umverteilt werden. Die Initiative nennt eine Mindestfinanzierung von einem Prozent des jährlichen Bruttoinlandprodukts.

Für die Umsetzung gelten gestaffelte Fristen: Die Unentgeltlichkeit für die begünstigten Gruppen soll nach 6 Monaten gelten, die Kostenlosigkeit für alle ausser im Fernverkehr nach 3 Jahren und das Fernverkehrsticket-System nach 5 Jahren.

Deutsche Bahn bietet Familienticket für 99.99 Euro dauerhaft an

Wie DIE ZEIT berichtet, nimmt die Deutsche Bahn das Familienticket dauerhaft in ihr Sortiment auf. Das Angebot war zunächst befristet für die Sommerferien eingeführt worden. Eine Hin- und Rückfahrt für eine Familie kostet 99.99 Euro inklusive ICE-Reservierung. Der Verkauf beginnt am 26. Oktober zu denselben Konditionen wie in den Sommerferien, das dauerhafte Angebot gilt ab 1. November.

Laut Bahn-Chefin Evelyn Palla, die sich gegenüber der Bild am Sonntag äusserte, sorgte das Angebot in den Sommerferien für einen deutlichen Zuwachs. Die Bahn habe 100’000 Familien mehr als im Vorjahr in ihren Zügen befördert.

Bei der Pünktlichkeit erwartet Palla keine schnelle Verbesserung. Ein Grossteil der Anlagen sei zu alt und störanfällig und könne nur schrittweise erneuert werden. Hitzeperioden mit mehreren Tagen über 35 Grad verschärften die Lage, da etwa Weichenantriebe ausfielen. Die Sanierung des Schienennetzes dauere mindestens zehn Jahre. Erst wenn ein Grossteil der Anlagen erneuert sei, werde es merkliche Verbesserungen geben.

Im September war fast jeder zweite Fernverkehrszug verspätet, die Pünktlichkeitsquote verschlechterte sich gegenüber dem Vormonat. Wegen Bauarbeiten zwischen Berlin und Hannover verlängert sich die Fahrzeit auf dieser Strecke in den kommenden 14 Monaten voraussichtlich um rund 80 Minuten.

Berlin: BVG setzt neue U-Bahn-Baureihe J ab Montag auf der U9 ein

Die Berliner Verkehrsbetriebe (BVG) setzen ab Montag die ersten Züge der Baureihe J auf der Linie U9 zwischen Rathaus Steglitz und Osloer Strasse ein. Die im Frühjahr eingeführten Fahrzeuge bieten mehr Fahrkomfort, eine erneuerte Fahrgastinformation sowie viel Platz für Rollstuhlfahrende, Fahrräder und Kinderwagen.

Seit Mai verkehren die neuen Züge im Dauereinsatz auf der Linie U5. In einer Umfrage bewerteten Fahrgäste die Fahrzeuge als merkliche Verbesserung. Die messbare Zuverlässigkeit der U5 lag 2025 bei durchschnittlich 98.4 Prozent. In den rund viereinhalb Monaten seit dem Start der neuen Baureihe stieg sie auf durchschnittlich 99 Prozent.

Inzwischen sind 124 Wagen der Baureihe J für die Linien U5 bis U9 geliefert und im Einsatz. In den kommenden zwei Wochen treffen weitere zwölf Wagen in Berlin ein. Bis Jahresende soll die Flotte auf rund 170 Wagen anwachsen. Auf der U9 verkehren zunächst zwei Züge mit je sechs Wagen, weitere sollen bald folgen.

Insgesamt hat die BVG 344 Wagen dieser Baureihe bestellt. Der Aufsichtsrat hat bereits weitere 166 Wagen beschlossen. Hinzu kommen 140 Wagen der schmaleren Schwesterbaureihe JK für die Linien U1 bis U4.

Modaxo gründet Novvan und Routeward nach Conduent-Übernahme

Modaxo Inc. mit Sitz in Toronto hat zwei neue Geschäftsbereiche gegründet: Novvan und Routeward. Sie entstanden durch die Übernahme der Geschäfte Transit Fare Management und Fleet Management Solutions von Conduent Incorporated. Es handelt sich um die bisher grösste Akquisition von Modaxo.

Über 2’000 Mitarbeitende wechseln zu Modaxo. Die beiden Bereiche sind in 15 Ländern präsent.

Novvan bietet Ticketing-Lösungen für Verkehrsbehörden. Diese sollen helfen, Einnahmen zu steigern, Fahrscheinbetrug zu reduzieren und Kosten zu senken. Routeward entwickelt Technologien, die die Zuverlässigkeit des öffentlichen Verkehrs verbessern sollen.

Bill Delaney, CEO von Modaxo, erklärt, die beiden neuen Geschäftsbereiche würden den Umfang von Modaxo und das Lösungsangebot für Kund:innen deutlich erweitern.

Moia Hamburg: VW prüft Ausstieg bei Ridepooling-Tochter

Wie Taxi Times berichtet, stellt der Volkswagen-Konzern die Zukunft seiner Ridepooling-Tochter Moia auf den Prüfstand. Grundlage ist ein Bericht der Wirtschaftswoche, auf den sich auch heise online bezieht. Der Konzern erwägt demnach verschiedene Szenarien, vom Einstieg neuer Investoren bis zur vollständigen Abwicklung. Eine Entscheidung soll spätestens bis Ende 2026 fallen.

Moia testet in Hamburg seit Juli den autonomen VW ID. Buzz AD und will dort bis Ende 2026 den fahrerlosen Regelbetrieb nach SAE-Level 4 nachweisen. Laut Bericht erfüllt die von Mobileye zugelieferte Technik bislang die internen Erwartungen nicht. Der Level-4-Nachweis steht weiterhin aus.

Für den Aufbau einer grösseren Robotaxi-Flotte sind hohe Investitionen nötig. Potenzielle Partner wie Uber und Lyft sollen ihre Beteiligungspläne zurückgezogen haben. Auch der Bund konnte oder wollte die erforderliche Summe nicht bereitstellen. Im Konzernziel für 2030 spielt Moia laut internem Bericht keine zentrale Rolle mehr.

Ein Rückzug hätte Auswirkungen auf das vom Bund mit 26 Millionen Euro geförderte Forschungsprojekt ALIKE. Beteiligt sind neben Moia unter anderem die Hamburger Hochbahn, Volkswagen ADMT, Holon und das Karlsruher Institut für Technologie. In München kommen die Fahrzeuge zudem im Projekt Minga zum Einsatz. Eine endgültige Entscheidung über die Zukunft von Moia ist noch nicht gefallen.

LITRA-Versammlung: Verkehr trägt 845 Millionen Franken zum Entlastungspaket 27 bei

Die LITRA hat am 1. Oktober 2026 in Bern (Bellevue Palace) ihre 90. Mitgliederversammlung durchgeführt.

Im Zentrum stand die Finanzierung des öffentlichen Verkehrs. Der ÖV finanziert seinen Betrieb zu 63 Prozent selbst. Im regionalen Personenverkehr liegt der Bundesanteil bei 21.4 Prozent. Der Verkehrsbereich trägt 845 Millionen Franken zum Entlastungspaket 27 (2027-2029) bei. Die Bahninfrastruktur kostet 7.5 Milliarden Franken pro Jahr, davon decken die Trassenerträge 1.8 Milliarden Franken. Den Rest finanziert der Bahninfrastrukturfonds (BIF).

Zur volkswirtschaftlichen Bedeutung: Der ÖV umfasst über 60’000 direkte und indirekte Vollzeitstellen und generiert fast 20 Milliarden Franken Wertschöpfung jährlich. Er benötigt 35 Prozent weniger Fläche als der motorisierte Individualverkehr.

Der Vorstand wurde neu besetzt. Verabschiedet wurden Bernhard Kunz, Roland Keller, Christian König, Edgar Keller, Jeannine Pilloud und Jon Pult. Neu gewählt wurden Roger Buchmann, Dominik Courtin, Bruno Fischer, Andreas Haas, Marie Icardo, David Roth und Fabian Schmid.

Den Prix LITRA 2026 erhielten Nico Wyss, Jakob Luca Deutschel und Nikolett Seben. Die Verleihung nahm Bundesrätin Karin Keller-Sutter vor.

Als neue Mitglieder wurden CargoBeamer AG, Cisco Systems (Schweiz) GmbH, Regionalbus Lenzburg AG, Swisscom (Schweiz) AG, trireno, Ubique Innovation AG und VSS aufgenommen.

MVR AG bestellt zwei Hybrid-Zahnradlokomotiven für Rochers-de-Naye-Bahn

Die Transports Montreux-Vevey-Riviera (MVR AG), ein Unternehmen der Montreux-Berner Oberland-Bahn (MOB), bestellt bei Stadler zwei Hybrid-Zahnradlokomotiven des Typs HGem 4/4. Sie ersetzen schrittweise die Fahrzeuge, die aktuell für den Unterhalt der Bahninfrastruktur zwischen Montreux und Les Rochers-de-Naye eingesetzt werden. Die in Bussnang (TG) gebauten Lokomotiven gehen 2029 in Betrieb, zeitgleich mit den acht Panorama-Zahnradtriebwagen, welche die MVR AG im Mai 2025 bestellt hat.

Die vierachsigen Fahrzeuge sind 13.5 Meter lang und für die Spurweite von 800 Millimetern ausgelegt. Sie leisten maximal 1’320 kW bei einer maximalen Anfahrzugkraft von 220 kN. Die Höchstgeschwindigkeit beträgt 25 km/h. Dank des Hybridantriebs verkehren sie sowohl unter der Fahrleitung als auch mit Diesel. Grosse Front- und Seitenfenster verbessern die Sicht für das Lokpersonal.

Stadler rüstet zudem die rund elf Kilometer lange Strecke mit dem CBTC-Signalsystem NOVA Pro aus (Communication-Based Train Control, funkbasierte Zugsteuerung). Es übernimmt Funktionen der Zugsicherung, Verkehrssteuerung und Automatisierung und wird in den neuen Triebwagen und in den Dienstlokomotiven installiert.

Parallel investiert die MVR AG in die Infrastruktur, unter anderem in Fahrleitung, Energieversorgung und Weichen. Die Arbeiten erfolgen etappenweise bis Anfang 2029.