Baustellen behindern alpenquerenden Schienengüterverkehr und senken Bahnanteil

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Im Jahr 2024 wurden 960’000 Lastwagenfahrten durch die Schweizer Alpen gezählt – 44’000 mehr als im Vorjahr. Der Anteil der Bahn am alpenquerenden Güterverkehr sank laut dem Bundesamt für Verkehr (BAV) auf 70,3 Prozent, nachdem er 2023 noch bei 72 Prozent lag. Hauptursache dafür waren umfangreiche baustellenbedingte Einschränkungen auf den internationalen Schienenkorridoren.

Besonders einschneidend war die dreiwöchige Totalsperrung der Rheintalbahn zwischen Karlsruhe und Basel im Sommer 2024. Mangels leistungsfähiger Umleitungen führte dies zu erheblichen Kapazitätsengpässen. Weitere Sperrungen auf den italienischen Zulaufstrecken über Luino sowie Milano–Domodossola verschärften die Situation. Die Beispiele zeigen: Die internationale Koordination bei der Baustellenplanung ist unzureichend. Vollsperrungen ohne nutzbare Ausweichrouten schwächen die Wettbewerbsfähigkeit der Schiene.

Im Gegensatz dazu verlief der alpenquerende Strassentransport weitgehend stabil. Lediglich die wetterbedingte Sperrung der A13 im Misox erforderte temporäre Umleitungen über den Gotthard. Der gesetzlich angestrebte Zielwert von höchstens 650’000 alpenquerenden Lastwagenfahrten wurde erneut deutlich überschritten – um rund 310’000 Fahrten.

Zur Stärkung der Schiene übernahm die Schweiz Anfang 2025 zusammen mit Belgien den Vorsitz des Güterverkehrskorridors Nordsee–Rhein–Mittelmeer. Ziel ist eine verbesserte Koordination von Kapazitätsmanagement und Baustellenplanung auf internationaler Ebene. Zudem unterzeichneten Bundesrat Albert Rösti und Frankreichs Verkehrsminister Philippe Tabarot im Februar eine Absichtserklärung für den Ausbau der linken Rheinstrecke – einem wichtigen Zulauf zur NEAT. Der nächste Verlagerungsbericht ist für Herbst 2025 angekündigt.