Direktzug Schweiz–London: Projekt ausgebremst durch Realität

Fire closes Channel Tunnel! Eurostar trains stranded @ St Pancras London“ by Loco Steve is licensed under CC BY-SA 2.0

Kurt Metz, Peider Trippi und Kaspar P. Woker haben das Vorhaben einer direkten Bahnverbindung Schweiz–London umfassend analysiert – und kommen zum klaren Schluss: chancenlos. Die Gründe sind zahlreich und vielschichtig.

Die Marktlage zeigt, dass zwar jährlich rund 4,5 Mio. Passagiere aus Zürich, Basel und Genf nach London fliegen, doch nur ein kleiner Teil davon liesse sich realistisch auf einen Tageszug mit einer Fahrzeit von über sechs Stunden umsteigen. Für einen wirtschaftlichen Betrieb wären jedoch mindestens zwei Verbindungen täglich mit hoher Auslastung notwendig. Dies ist angesichts der fragmentierten Nachfrage und der Konkurrenz durch günstigere und schnellere Flüge kaum realisierbar.

Technisch erfordert ein solcher Direktzug spezialisiertes Rollmaterial für Langstrecken mit geschlossenen Türen, umfassende Check-in-Infrastruktur in Basel inklusive Sicherheits-, Zoll- und Einreisekontrollen, sowie komplexe Personal- und Wartungslogistik. Die hohen Trassenpreise durch Frankreich, Gebühren für die Kanaltunneldurchfahrt und die britischen Hochgeschwindigkeitsgleise treiben die Betriebskosten massiv in die Höhe.

Juristisch stellt sich zudem die Frage nach den erforderlichen Abkommen mit dem Vereinigten Königreich für Zoll- und Grenzkontrollen auf Schweizer Boden. Politisch wird zwar eine engere Bahnkooperation angestrebt, doch konkrete Fortschritte sind nicht in Sicht.

Die Autoren schlagen daher eine pragmatische Zwischenlösung über Lille Europe mit Umsteigen auf bestehende Eurostar-Verbindungen vor – ein Konzept, das schneller und günstiger realisierbar wäre. Der angedachte Direktzug hingegen bleibt eine Vision mit sehr geringer Realisierungschance.