E-Trottinette im Schweizer Verkehrssystem: Anforderungen, Nutzung und Perspektiven

Die vom Bundesamt für Strassen beauftragte Studie „E-Trottinette: Verkehrsplanerische Auswirkungen und zukünftige Anforderungen“ untersucht das Potenzial elektrischer Trottinette als Bestandteil eines nachhaltigen Mobilitätssystems. Die Analyse basiert auf empirischen Fahrversuchen, Umfragen, Verkehrsmodellen und Fachinterviews.

Nutzung und Verlagerungseffekte

Private E-Trottinette werden vorwiegend für Arbeits- und Einkaufswege genutzt, während Sharing-Angebote eher spontane Freizeitfahrten abdecken. Die durchschnittliche Fahrt dauert mit privaten Geräten rund 18 Minuten, bei geteilten etwa 10 Minuten. Modal-Shift-Effekte sind begrenzt: Geteilte E-Trottinette ersetzen vor allem Fusswege, in geringerem Mass den ÖV. Eine Substitution von Autofahrten ist selten und primär bei privaten Geräten zu beobachten.

Sicherheit und Infrastruktur

Die Sicherheit ist insbesondere bei Mischverkehr mit MIV problematisch. Viele Nutzende weichen mangels geeigneter Veloinfrastruktur unerlaubt auf das Trottoir aus. Technische Schwächen wie kleine Räder, tiefer Scheinwerfer und fehlende Richtungsanzeiger erhöhen das Unfallrisiko. Die Studie empfiehlt ebene, stufenlose Fahrbahnen sowie breite, getrennte Radwege.

Parkierung und Raumplanung

Für private E-Trottinette ist keine öffentliche Parkfläche erforderlich. Geteilte Modelle benötigen hingegen gut erreichbare, klar markierte Abstellzonen, um „wildes Parkieren“ zu vermeiden. Stationäre Systeme schneiden dabei geordneter ab als Free-Floating-Angebote. Modellierungen zeigen Bedarf insbesondere an Bahnhöfen und in Stadtzentren.

Empfehlungen für Verkehrsplanung

Die Förderung von E-Trottinetten soll über eine Aufwertung der Veloinfrastruktur erfolgen. Intermodale Angebote – etwa die ÖV-Mitnahme oder Tarifintegration – werden als Hebel zur Effizienzsteigerung gesehen. E-Trottinette gelten dabei nicht als eigenes Verkehrsmittel, sondern als Ergänzung zum Umweltverbund, insbesondere in peripheren Räumen und zu Randzeiten.

Fazit der Fachanalyse:

Statt auf Regulation und Einschränkung zu setzen, fordert die Studie gezielte Infrastrukturmassnahmen, verbesserte Netzintegration und datenbasierte Planung. E-Trottinette könnten so zu einer sinnvollen Ergänzung im Mobilitätsmix werden.