Einzelwagenladungsverkehr: Wer tritt gegen SBB Cargo an?

Das Bundesamt für Verkehr (BAV) hat die Ausschreibung für den zukünftigen Einzelwagenladungsverkehr (EWLV) gestartet. Mit der Revision des Gütertransportgesetzes wird dieser Verkehrszweig in den kommenden Jahren finanziell gefördert. SBB Cargo dominiert den Schweizer Markt, doch gibt es realistische Konkurrenz? Wer wird sich auf das Request for Information (RFI) melden?
Der Markt für Einzelwagenladungen
Der EWLV ist ein essenzieller Bestandteil der Schweizer Güterlogistik. Er ermöglicht Unternehmen den Transport einzelner Wagen anstatt ganzer Züge und dient besonders der Industrie, dem Handel sowie der Versorgung abgelegener Regionen. Aufgrund hoher Betriebskosten und komplexer Logistik ist er jedoch defizitär, weshalb der Bund ihn temporär subventioniert.
Potenzielle Mitbewerber von SBB Cargo
Die Marktbeherrschung von SBB Cargo ist unbestritten. Mit der bestehenden Infrastruktur, etablierten Kundenbeziehungen und einem hohen Marktanteil erscheint es unwahrscheinlich, dass ein neuer Anbieter ernsthafte Konkurrenz darstellen kann. Dennoch gibt es einige Akteure, die sich in das Rennen um den geförderten EWLV begeben könnten:
- BLS Cargo
Als zweitgrösstes Bahnunternehmen der Schweiz hat BLS Cargo Erfahrung im alpenquerenden Güterverkehr. Zwar konzentriert sich das Unternehmen bisher auf den Transitverkehr, doch könnte es mit gezielten Kooperationen sein Angebot erweitern. - RailCare (Coop-Gruppe)
RailCare betreibt erfolgreich Ganzzugverkehre im kombinierten Verkehr. Eine Erweiterung auf Einzelwagenladungen wäre denkbar, allerdings ist fraglich, ob sich dies mit ihrem bisherigen Geschäftsmodell vereinbaren lässt. - Internationale Player
Deutsche Bahn Cargo oder SNCF Fret wären aufgrund ihrer Erfahrung und Skaleneffekte grundsätzlich denkbare Kandidaten. Doch die Hürden für einen Markteintritt sind hoch, insbesondere angesichts der dichten Regulierung und des geringen Marktpotenzials. Zudem kämpfen beide Unternehmen mit strukturellen Problemen.
Herausforderungen für neue Anbieter
Selbst mit Fördergeldern bleibt der EWLV finanziell anspruchsvoll. Hohe Fixkosten, komplexe Netzwerke und die Notwendigkeit einer engen Koordination mit der übrigen Bahninfrastruktur machen es für neue Anbieter schwer, wirtschaftlich tragfähige Modelle zu entwickeln. Zudem ist SBB Cargo bereits gut in bestehende Produktionsketten integriert und hat Zugang zu staatlicher Unterstützung sowie Synergien mit der Konzernmutter SBB.
Fazit
Es ist unwahrscheinlich, dass eine ernsthafte Konkurrenz zu SBB Cargo im EWLV entsteht. BLS Cargo oder spezialisierte Nischenanbieter könnten sich zwar um Teilbereiche bemühen, doch ein flächendeckendes Alternativangebot ist nicht realistisch.