EU-Vorschlag: Einheitliches Ticketing für Bahnreisen in Europa

Wie watson.ch berichtet, hat die EU-Kommission am Mittwoch einen Gesetzesvorschlag vorgestellt, der internationale Bahnreisen in Europa vereinfachen soll. Unter dem Titel «Eine Reise, ein Ticket, volle Rechte» sollen grenzüberschreitende Verbindungen künftig nahtlos über eine einzige Plattform buchbar sein. Bahnunternehmen müssten ihre Tickets zudem Onlinevergleichsdiensten zur Verfügung stellen, wie es im Flugverkehr üblich ist.
Heute gelten Ticketkäufe bei verschiedenen Anbietern rechtlich als mehrere Einzelverträge. Wer einen grenzüberschreitenden Anschlusszug verpasst, hat deshalb nicht immer Anspruch auf den nächsten Zug, im schlimmsten Fall müssen Reisende für eine Hotelübernachtung selbst aufkommen. Mit dem neuen Rahmen sollen die Fahrgastrechte über die gesamte Reise hinweg abgesichert werden.
EU-Verkehrskommissar Apostolos Tzitzikostas hielt fest, dass das System auch auf Partnerstaaten wie Norwegen oder die Schweiz Anwendung finden soll. Rechtliche Grundlage bildet laut EU das Landverkehrsabkommen. Eine Übernahme der neuen Regeln wäre für die Schweiz nicht automatisch, sondern müsste im Gemischten Ausschuss beschlossen werden.
Das Bundesamt für Verkehr (BAV) reagiert grundsätzlich positiv, weist aber darauf hin, dass die Tarifhoheit bei den Transportunternehmen liegt. Die SBB teilen das Ziel und arbeiten bereits mit Partnerbahnen wie DB, ÖBB und SNCF an einem einfacheren internationalen Ticketing. Für weitere Kooperationen brauche es aus Sicht der SBB keine neuen Gesetze. Tzitzikostas strebt einen Gesetzesabschluss innerhalb von ein bis zwei Jahren an, ein laut Insidern ambitionierter Zeitplan.
Quelle: https://www.watson.ch