Nachtzug European Sleeper macht neu Halt in Lugano, Bellinzona, Arth-Goldau und Aarau

Wie Blick berichtet, nimmt der niederländische Anbieter European Sleeper ab Mittwoch eine neue Verbindung von Mailand nach Brüssel auf und hält dabei erstmals an mehreren Schweizer Bahnhöfen: Lugano, Bellinzona, Arth-Goldau und Aarau. Der Zug erreicht Lugano um 18.44 Uhr und trifft am folgenden Morgen um 11.42 Uhr in Brüssel ein. Unabhängig vom Einstiegsort in der Schweiz kostet die einfache Fahrt im Sitzplatz 49.99 Euro, umgerechnet 47 Franken. Für einen Platz im 3er-Schlafwagen werden 129.99 Euro fällig, ein grösseres Bett inklusive Frühstück kostet 169.99 Euro. Zusätzlich steht ein reiner Frauenschlafwagen zur Wahl.

Die SBB weisen auf ihrer Website auf das neue Angebot hin, zeigen die Verbindung im Onlinefahrplan jedoch nur an, wenn ein Abfahrts- oder Ankunftsort im Ausland gewählt wird, da sie nicht für Reisen innerhalb der Schweiz nutzbar ist. Ab Juli 2027 wollen die SBB zusammen mit SNCF Voyageurs und der belgischen SNCB zudem eine Direktverbindung zwischen Basel und Brüssel testen, zunächst im Rhythmus von drei Tagen.

Ausländische Anbieter müssen derzeit mit einem Schweizer Bahnunternehmen zusammenarbeiten. Für European Sleeper übernimmt dies die Train Charter GmbH. Eine Annahme der Bilateralen III würde diesen Kooperationszwang aufheben und EU-Bahngesellschaften einen eigenständigen Marktzugang in die und durch die Schweiz ermöglichen, ebenso Schweizer Anbietern in der EU. Auch Flixtrain hat bereits Interesse an einer Verbindung von Zürich nach München signalisiert.

Das Bundesamt für Verkehr hält in einem Faktenblatt vom März fest, dass eine Marktöffnung kontrolliert erfolgen müsste, da das Schweizer Schienennetz bereits stark ausgelastet ist und der Taktfahrplan der öV-Anbieter geschützt werden soll. Offen sind zudem Haftungsfragen: Bei Unfällen eines European Sleepers haftet die schweizerische GmbH mit einer Versicherungssumme von mindestens 100 Millionen Franken. Die Bilateralen III würden neue Haftungsregeln für ausländische Gesellschaften bringen und einen diskriminierungsfreien Zugang zu verfügbaren Trassen vorsehen, was laut Blick bis vor den Europäischen Gerichtshof führen könnte. Ungeklärt bleibt die Finanzierung des Schienenunterhalts, da die Trassenpreise die Kosten nicht decken.