Rückschlag für Nachtzüge: ÖBB reduziert Nightjet-Bestellung zugunsten von Tageszügen

Mehrere Fachmedien berichten übereinstimmend über eine Anpassung der Fahrzeugstrategie der Österreichischen Bundesbahnen (ÖBB), die auch Auswirkungen auf das internationale Nachtzugangebot hat. Demnach wird ein wesentlicher Teil der ursprünglich bei Siemens bestellten Nightjet-Kompositionen nicht wie geplant abgerufen. Statt der angekündigten 33 Garnituren der neuen Generation sollen lediglich 24 tatsächlich ausgeliefert werden. Neun Einheiten der Ergänzungsbestellung aus dem Jahr 2021 werden storniert bzw. nicht terminiert.
Die ÖBB hatten 2018 zunächst 13 siebenteilige Züge vom Typ Viaggio Next Level bei Siemens Mobility bestellt, ergänzt durch 20 weitere Einheiten im Rahmen einer Optionserweiterung. Die Züge sind für den grenzüberschreitenden Nachtverkehr mit Liege- und Schlafwagen vorgesehen und sollten sukzessive ältere Fahrzeuge ersetzen. Derzeit verkehren die ersten Garnituren auf den Linien Wien–Hamburg und Innsbruck–Amsterdam.
Laut Angaben von Railway Gazette, Railtech und TrenVista hat die ÖBB im Zuge der Neuausrichtung jedoch entschieden, einen Teil der Nightjet-Auslieferungen in Railjet-Kompositionen für den Tagesverkehr umzuwandeln. Zusätzlich zu den verbleibenden 24 Nightjets wurden 13 neue Railjet-2-Kompositionen bestellt. Als Begründung wird unter anderem die höhere Auslastung im Tagesverkehr und ein wachsender Bedarf an modernen Intercity-Angeboten genannt.
Offizielle Stellungnahmen in Form einer ÖBB-Pressemitteilung liegen derzeit nicht vor. Die Angaben basieren auf Medienberichten mit Verweis auf Unternehmensquellen. Für das gemeinsam mit der SBB betriebene Nachtzugangebot bedeutet dieser Schritt eine Einschränkung des zukünftigen Ausbaupotenzials – insbesondere im Hinblick auf neue Verbindungen oder zusätzliche Frequenzen. Die internationale Strategie zur Stärkung des klimafreundlichen Nachtverkehrs dürfte damit kurzfristig an Dynamik verlieren.