Schweiz: Ältere Fahrgäste und Frauen im Nahverkehr besonders gefährdet

Das Bundesamt für Verkehr (BAV) hat die Datengrundlage zu Fahrgastereignissen im öffentlichen Nahverkehr systematisch erweitert. Pro Jahr werden in der Nationalen Ereignisdatenbank rund 1’000 Vorfälle in Bussen, Trolleybussen und Strassenbahnen erfasst – mit steigender Tendenz in den letzten Jahren.
Für die Analyse wurden 2024 in vier Erhebungsperioden insgesamt 270 Ereignisse detailliert untersucht. Beteiligt waren die Transportunternehmen VBZ (Zürich), TPG (Genf), BLT (Baselland), BVB (Basel-Stadt) und SVB (Bern). Ergänzend führte SWISSTRAFFIC im Herbst 2024 eine Verkehrszählung an neun Haltekanten in Bern und Zürich durch, bei der über 80 Stunden Videomaterial ausgewertet wurden.
Die Ergebnisse zeigen deutliche Risikomuster: Die relative Unfallhäufigkeit ist bei Frauen rund 4.5-mal höher als bei Männern. Bei Seniorinnen und Senioren (über 65 Jahre) liegt sie etwa 25-mal höher als bei Erwachsenen zwischen 18 und 65 Jahren. Die meisten Ereignisse treten an Werktagen zwischen 10 und 18 Uhr auf, während die morgendliche Stosszeit vergleichsweise wenige Vorfälle verzeichnet.
Stehende Fahrgäste sind am häufigsten betroffen, gefolgt von Personen beim Einsteigen. Ältere Menschen verunfallen beim Ein- und Aussteigen deutlich häufiger als jüngere Erwachsene. Bei den Verletzungen dominieren Kopfverletzungen mit 32 Prozent, gefolgt von Bein- und Knieverletzungen mit 17 Prozent. Schwere Verletzungen entstehen vor allem beim Aussteigen und beim Stehen im Fahrzeug. In rund 30 Prozent der Fälle sind Dritte beteiligt – am häufigsten durch Vortrittsmissachtungen von Autofahrenden.
Das BAV will die Erkenntnisse in die Entwicklung von Präventionsmassnahmen einfliessen lassen. Eine Arbeitsgruppe mit Vertreter:innen von BAV, ZHAW, BFU, VBZ, Bernmobil und VöV arbeitet an Empfehlungen für Fahrzeugplanung, Fahrplanentwicklung und Ausbildung.