Stadler legt Rekurs gegen SBB-Vergabe ein

Stadler hat beim Bundesverwaltungsgericht Rekurs gegen die Vergabe der SBB über 116 Doppelstockzüge eingereicht. Das Unternehmen sieht Klärungsbedarf in der Bewertung des Angebots und ersucht eine unabhängige Überprüfung.
Streitpunkte in der Bewertung
Stadler bot einen bestehenden KISS-Doppelstockzug an, der seit 2012 mit 153 Fahrzeugen und einer Verfügbarkeit von 99 Prozent im SBB-Netz im Einsatz steht. Weltweit wurden über 700 KISS-Züge verkauft. Die Preisdifferenz zum siegreichen Angebot beträgt 0.6 Prozent.
Laut Stadler können zentrale Punkte der Bewertungsmatrix nicht nachvollzogen werden. Der angebotene, im Betrieb etablierte Zug sei gegenüber einem lediglich auf dem Papier existierenden Fahrzeug zu tief bewertet worden. Unklar bleibt für Stadler, weshalb das Konkurrenzangebot in Kriterien wie Betriebskosten, Qualität, Instandhaltung, Nachhaltigkeit oder Serviceverträge besser bewertet wurde.
Nachhaltigkeitsbewertung
In der Kategorie Nachhaltigkeit erhielt Stadler nur halb so viele Punkte wie der siegreiche Anbieter. Stadler betont, dass die Fertigung vollständig in der Schweiz erfolgt wäre, mit kurzen Transportwegen und hohem Anteil an lokalen Zulieferbetrieben, etwa Aluminiumprofilen aus dem Wallis sowie weiteren Komponenten aus der gesamten Schweiz.
Offene Fragen und Rechtsmittel
Ein Debriefing-Gespraech mit der SBB brachte aus Sicht von Stadler keine ausreichende Klärung offener Bewertungsfragen. Aus diesem Grund hat das Unternehmen am 27. November 2025 Rekurs eingelegt. Das Bundesverwaltungsgericht soll den Entscheid als unabhängige Instanz überprüfen.
Positionierung von Stadler
Stadler betont, keinen Heimatschutz zu verlangen. Das Unternehmen verweist auf internationale Wettbewerbserfahrung und Akzeptanz klarer Vergabeentscheide. Rekurse würden nur in Ausnahmefällen erhoben. Von rund 17’000 Mitarbeitenden arbeiten 6’000 in der Schweiz und 3’000 in Deutschland. Der SBB-Auftrag wäre vollständig in der Schweiz gefertigt worden.
Stadler hebt die Verbundenheit mit dem Heimmarkt hervor. Die Wertschöpfung liege bei Schweizer Aufträgen bei rund 80 Prozent, mit über 200 lokalen Zulieferbetrieben.