SUST: Sprachdefizite führten zu Zugsgefährdung in Neuchâtel-Vauseyon

Die Schweizerische Sicherheitsuntersuchungsstelle (SUST) hat ihren Abschlussbericht zu einer Zugsgefährdung vom 12. August 2025 im Bahnhof Neuchâtel-Vauseyon veröffentlicht. Ein Leermaterialzug von SBB Personenverkehr überfuhr als Rangierbewegung die Rangiergrenze und gelangte auf das Streckengleis Richtung Neuchâtel. Ein entgegenkommender Güterzug von SBB Cargo konnte rund 50 Meter vor der Komposition anhalten. Personen- und Sachschäden entstanden keine.
Vorausgegangen war eine Fehlleitung des Leermaterialzuges. Wegen einer Störung in der Leittechnik befand sich die Sicherungsanlage im Modus “Zuglenkung starr”, wodurch der Zug automatisch auf einen falschen Weg Richtung La-Chaux-de-Fonds geleitet wurde. Bei der anschliessenden Rangierfahrt zur Korrektur überfuhr die Komposition die Bahnhofgrenze. Der Fahrdienstleiter erkannte die Gefährdung, setzte jedoch keinen Notruf ab. Der Lokführer des Güterzuges stoppte eigenständig.
Als Hauptursache identifiziert die SUST ungenügende Sprachkompetenzen. Der deutschsprachige Lokführer und sein Begleiter kommunizierten mit dem französischsprachigen Fahrdienstleiter in einer Mischung aus beiden Sprachen. Vorgeschriebene Redewendungen wurden nicht verwendet, Missverständnisse nicht erkannt. Beide Lokführer verfügten über die von der SBB geforderten Sprachnachweise auf Niveau A1 mit Eisenbahnwortschatz – konnten die Störungssituation jedoch nicht sicher auf Französisch bewältigen. Die SUST stellt fest, dass die von der SBB definierten Sprachanforderungen die hoheitlichen Vorgaben nicht erfüllen.
Die SUST empfiehlt dem BAV zu prüfen, ob die Eisenbahnunternehmen ihre Sprachstandards nachvollziehbar festgelegt und umgesetzt haben. Zusätzlich richtet sie einen Sicherheitshinweis an alle Unternehmen mit Personal in fremdsprachigen Gebieten, ihre Verfahren zur Sicherstellung der Sprachkompetenz zu überprüfen.
Quelle: sust.admin.ch