Unfallanalyse Laax: Tödlicher Sturz eines Seilbahn-Mechatronikers in Ausbildung

Crap Sogn Gion, Switzerland“ by Harald Felgner is licensed under CC BY-NC-SA 2.0

Am 19. Dezember 2022 kam es bei Unterhaltsarbeiten an der Luftseilbahn Laax Mulania–Crap Sogn Gion zu einem tödlichen Arbeitsunfall. Ein 17-jähriger Seilbahn-Mechatroniker in Ausbildung wurde beim Aufenthalt auf der 60 Meter hohen Stütze 2 von einer bergwärts fahrenden Kabine erfasst, über das Geländer gerissen und tödlich verletzt.

Die Untersuchung der Schweizerischen Sicherheitsuntersuchungsstelle (SUST) zeigt, dass mehrere sicherheitsrelevante Faktoren zusammentrafen. Die Schmierarbeiten an den Seilsätteln fanden bei laufendem Betrieb statt. Der Lernende war zum Unfallzeitpunkt nicht gegen Absturz gesichert – obwohl er eine persönliche Schutzausrüstung gegen Absturz (PSAgA) trug. Zudem fehlte eine zuverlässige Warnung vor der Durchfahrt der Kabine.

Die Analyse belegt ein organisatorisches Defizit: Die gefährliche Arbeit wurde von zwei Lernenden ausgeführt, ohne direkte Überwachung durch eine qualifizierte Fachkraft, wie es der Bildungsplan vorsieht. Auch die Dokumentation der Ausbildung war unvollständig. Die BFL konnte keine vollständigen Bildungsberichte oder Nachweise zu Präventionsthemen bei gefährlichen Arbeiten vorlegen.

Im November 2022 kam es zudem zu mehreren Verstössen gegen die Arbeitszeitvorschriften für Jugendliche, die jedoch laut SUST keinen direkten Einfluss auf den Unfallverlauf hatten.

Die BFL hat seither verschiedene Massnahmen umgesetzt, darunter ein neues Frühwarnsystem und externe Audits. Die SUST formulierte drei Sicherheitshinweise, unter anderem zur konsequenten Nutzung der PSAgA und zur strukturierten Überwachung von Lernenden bei gefährlichen Arbeiten.

Der Fall verdeutlicht die Notwendigkeit einer lückenlosen Ausbildung, klarer Warnprozesse und eines systematischen Risikomanagements im Betrieb von Seilbahnanlagen.