Wie der öffentliche Verkehr seinen Anteil am Gesamtverkehr steigern kann

Bild: Midjourney

Der öffentliche Verkehr (öV) spielt eine zentrale Rolle in der Mobilitäts- und Klimapolitik der Schweiz. Eine aktuelle Studie der Hochschule Luzern im Auftrag des Bundesamts für Verkehr (BAV) analysiert 20 Massnahmen zur Erhöhung des öV-Anteils am Gesamtverkehr. Dabei werden sowohl Angebotsverbesserungen als auch verkehrspolitische Steuerungsinstrumente betrachtet.

Strategien zur Attraktivitätssteigerung

Die Studie zeigt, dass eine verbesserte Zugänglichkeit und Vernetzung des öV-Netzes zentrale Hebel für eine stärkere Nutzung sind. Der Ausbau von Haltestellen, die Förderung von Verkehrsdrehscheiben und Sharing-Angeboten sowie On-Demand-Verkehr sollen multimodale Mobilitätsketten stärken. Auch eine vereinfachte Tarifstruktur und preisliche Anreize, etwa durch Mobilitätsbudgets oder vergünstigte Tickets für bestimmte Nutzergruppen, könnten die öV-Nutzung attraktiver machen.

Qualität und Verfügbarkeit erhöhen

Ein leistungsfähiger öV zeichnet sich durch hohe Verlässlichkeit, kurze Reisezeiten und guten Komfort aus. Die Studie empfiehlt, Taktfrequenzen zu erhöhen, Streckennetzplanungen auf schnellere Verbindungen auszurichten und Betriebszeiten zu verlängern. Besonders in urbanen Räumen könnte der Ausbau von Metro-, Tram- und Bus-Rapid-Transit-Systemen entscheidend sein.

Regulierung des motorisierten Individualverkehrs

Neben Pull-Massnahmen zur Attraktivitätssteigerung des öV sind auch Push-Massnahmen zur Regulierung des motorisierten Individualverkehrs (MIV) notwendig. Die Einführung von Road-Pricing, höhere Parkgebühren oder Umweltzonen könnten den öV im Vergleich zum Auto konkurrenzfähiger machen. Gleichzeitig zeigt die Studie, dass solche Massnahmen gesellschaftlich und politisch herausfordernd sind.

Verhaltensänderungen als langfristige Massnahme

Neben infrastrukturellen und finanziellen Anreizen spielt auch die Wahrnehmung des öV eine Rolle. Informationskampagnen, Bildungsinitiativen und soziale Normen können langfristig das Mobilitätsverhalten beeinflussen. Erfahrungen aus internationalen Projekten zeigen, dass beispielsweise Probeabos oder Belohnungssysteme zur nachhaltigen Nutzung des öV beitragen können.

Klimapolitische Bedeutung

Die Studie macht deutlich, dass eine Steigerung des öV-Anteils am Gesamtverkehr eine wichtige Rolle zur Erreichung der Klimaziele spielen kann. Ein Modal-Shift vom MIV zum öV reduziert CO₂-Emissionen erheblich. Die Hebelwirkung eines zusätzlichen öV-Prozentpunkts ist dabei deutlich grösser als die eines steigenden Elektroauto-Anteils.

Die Umsetzung der Massnahmen erfordert eine enge Zusammenarbeit zwischen Bund, Kantonen, Gemeinden und der öV-Branche. Während für den Bahnausbau bereits langfristige Finanzierungsstrukturen bestehen, sind für neue Mobilitätsformen sowie die Steuerung des MIV noch politische und gesetzliche Anpassungen notwendig. Die Studie bietet eine umfassende Grundlage für zukünftige verkehrspolitische Entscheidungen in der Schweiz.